Siegburger Fachtagung zur Eisenbahnfahrzeug-Instandhaltung 2025
Intelligentes Radsatzmanagement läuft: Unser Vortrag mit RAILPOOL in Siegburg
Wie wird aus vielen Messdaten eine bessere Entscheidung? Genau diese Frage stand im Mittelpunkt unseres gemeinsamen Vortrags mit Christoph Schneider von RAILPOOL auf der Fachtagung für Eisenbahnfahrzeug-Instandhaltung 2025 in Siegburg.
Unter dem Titel „Intelligentes Radsatzmanagement … läuft?“ haben wir gezeigt, warum die Bahnbranche zwar bereits sehr viele Daten erhebt, diese aber oft noch nicht konsequent genug nutzt. Denn Messdaten allein schaffen noch keine Transparenz. Erst wenn sie zusammengeführt, analysiert und in konkrete Empfehlungen übersetzt werden, entstehen echte Effizienz- und Einsparpotenziale.
Daten entstehen an vielen Orten – aber sie fließen selten zusammen
RAILPOOL zählt zu den führenden europäischen Lokomotiv-Vermietern. Mit über 500 Lokomotiven im Einsatz in 19 Ländern Europas und der Zusammenarbeit mit mehr als 40 Instandhaltungsstandorten entstehen täglich Daten an vielen unterschiedlichen Stellen: im Betrieb, in Werkstätten, entlang der Infrastruktur und in bestehenden IT-Systemen.
Die zentrale Herausforderung: Diese Daten fließen häufig nicht zusammen.
Genau dadurch entsteht in der Praxis ein unvollständiges Bild. Der tatsächliche Zustand der Radsätze ist oft nur punktuell bekannt. Entscheidungen über Instandhaltung, Reprofilierung oder Aufbereitung müssen getroffen werden, obwohl wichtige Informationen fehlen oder nicht durchgängig verfügbar sind.
Warum klassische Instandhaltung an Grenzen stößt
Instandhaltungsintervalle basieren heute häufig auf Erfahrung, historischen Daten und zusätzlichen Sicherheitspuffern. Das ist nachvollziehbar, führt aber zu Ineffizienzen: Manche Radsätze erreichen das geplante Intervall nicht, andere hätten deutlich länger genutzt werden können.
In der Praxis bedeutet das: starre Prüfintervalle, manuelle Dokumentation, Datensilos und fehlende Datendurchgängigkeit zwischen Werkstatt, Betreiber und ECM. Die Folgen sind vermeidbare Fahrzeugausfälle, lange Wartezeiten in der Werkstatt, unkontrollierbarer Materialverlust und unnötiger administrativer Aufwand.
Für ein modernes Flottenmanagement reicht es deshalb nicht mehr aus, Messwerte nur zu erfassen. Entscheidend ist, sie nutzbar zu machen.
Vom Messen zum Verstehen
Im Vortrag haben wir deshalb den Weg beschrieben, den WheelSense verfolgt:
Sensor → Analyse → Trend → Empfehlung → Entscheidung
Intelligenz entsteht dort, wo Messdaten in Entscheidungslogik übersetzt werden. Genau hier setzt WheelSense an: Vorhandene Radsatzdaten werden analysiert, Verschleißverläufe transparent gemacht und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet.
So lassen sich Aufbereitungsbedarfe frühzeitig erkennen, Werkstatttermine präziser planen und Fahrzeug-Lebenszyklen transparenter steuern. WheelSense analysiert Trends in Messwerten, überwacht relevante Parameter wie Spurkranzdicke und Spurkranzhöhe und unterstützt dabei, Reprofilierungsbedarfe nicht erst beim nächsten Werkstattaufenthalt zu erkennen.
Vorausschauende Entscheidungen statt reaktiver Maßnahmen
Ein besonders wichtiger Punkt unseres Vortrags war die Frage, wie sich frühzeitige oder unnötige Aufbereitungen vermeiden lassen. Denn wenn der Verschleiß eines Radsatzes nicht präzise prognostiziert werden kann, entstehen schnell hohe Kosten und längere Ausfallzeiten.
WheelSense ermöglicht eine Prognose der Durchmesserentwicklung unter Berücksichtigung des gesamten Radprofils und künftiger Reprofilierungen. Dadurch können Entscheidungen vorausschauender getroffen und Instandhaltungsmaßnahmen besser geplant werden.
Auch dynamische Instandhaltungsgrenzmaße spielen dabei eine wichtige Rolle. Statt Grenzwerte ausschließlich fahrzeugtypisch und einheitlich zu betrachten, können sie stärker am individuellen Verschleiß ausgerichtet werden. Das eröffnet zusätzliche Flexibilität, etwa am Lebensende einer Radscheibe, bei Profilvorgaben nach individuellem Verschleiß oder bei Umlaufwechseln.
Unser Fazit aus Siegburg
Der Austausch auf der Fachtagung hat gezeigt: Die Branche ist bereit für den nächsten Schritt im Radsatzmanagement. Die Daten sind vielerorts bereits vorhanden. Jetzt geht es darum, sie besser zu verbinden, verständlich aufzubereiten und in belastbare Entscheidungen zu übersetzen.
Oder wie wir es im Vortrag formuliert haben: Am Ende geht es nicht darum, einen Sprint zu gewinnen, sondern die Langstrecke effizient und sicher zu meistern. Wer sein Laufverhalten versteht, bleibt länger im Rennen.
Unser Ziel mit WheelSense ist klar: Wir wollen dazu beitragen, dass Flotten zuverlässig, effizient und vorausschauend laufen.
